Veröffentlicht in Allgemein, Kurzgeschichten

Zimmerreise I – Alben, Bilder und Erinnerungen

I´ve always been a rollin´ stone with a reckles streak

Als meine Mutter starb habe ich mit meinem Bruder beschlossen das Elternheim zu verkaufen. Ein sehr schwerer Schritt, insbesondere für meinen Bruder, doch war es einer, den wir zweifelsohne gehen mussten. Und während er sich mit dem Erlös eine kleine aber durchaus schöne Wohnung auf dem Land kaufte, beschlossen mein Mann und ich sein Elternhaus zu erwerben. Auch wir wohnen auf dem Land, doch haderte ich sehr lange mit dem Fakt, dass es hierorts am Abdruck meiner Vergangenheit mangelt. Ich schätze das kann jeder nachvollziehen, der den Grund und Boden abtritt auf dem er aufgewachsen ist; auf dem er zu jenem Menschen geformt wurde, der er heute ist! Im Haus meiner Altvorderen wurde ich gemeißelt. Ich lernte Werte, die ich nicht immer umsetzen konnte … oder wollte … die mir jedoch heute dem Fundament gleichkommen, auf dem ich mich trittsicher bewegen kann.

Mom und Dad

Wie bereits erwähnt hat es viel Kraft und Mühe gekostet diesen Gedanken, den sogenannten Abdruck der Vergangenheit verloren zu haben, abzustreifen. Eine Reise durch mein Wohnzimmer hat mir letztlich aufweisen können, dass ich mich gründlich irrte. Natürlich hängt über dem Elternhaus meines Mannes weit mehr seiner Geschichte denn meiner, dennoch gibt es Orte und Nischen hier, die von meinen Erinnerungen nur so strotzen. Der alte Wandschrank im Wohnzimmer beispielsweise. Schränke und Schubladen, in die ich mein Leben verstaute; an denen ich tagtäglich ungezählte Male vorbeigehe ohne zu merken, dass die Augen der Vergangenheit meinen Schritten folgen.

Mom, Dad und mein Bruder

In Form von Alben zum Beispiel, seien es nun Musik- oder Fotoalben. Sie sind mein Schlüssel zu dem was war … die Verbindung zu Mutter und Bruder, Großeltern – zu jedem, der mich im Herzen berührte und meine Lebenswege streifte. Es sind schmucklose Alben, zugegeben. Schwarze Ordner, gefüllt mit Momentaufnahmen, während die CD-Hüllen mit massig Gebrauchsspuren aufweisen, dass man deren Inhalt gefühlte zehntausend Mal abgespielt hat.

Ja, es war nicht immer leicht, und ja, wir waren in der Vergangenheit nicht perfekt – am allerwenigsten ich selbst! Dennoch bin ich auf meiner ersten Zimmerreise auf Erinnerungen gestoßen, die mich wissen lassen, dass wir letzten Endes auf dem richtigen Weg waren. Wir haben uns geliebt und ist es nicht genau das, was zählt?

Euer Wortschmied

11 Kommentare zu „Zimmerreise I – Alben, Bilder und Erinnerungen

  1. Vielen Dank, und das gleich in zweierlei Hinsicht: einmal, weil du dich hast vom Gedanken der Zimmerreisen inspirieren lassen und auch daran teilhaben lässt, und ganz subjektiv aus meinem persönlichen Berührtsein deiner in gewisser Weise meinem eigenen Erleben ähnelnde Geschichte hinsichtlich Elternhäusern und den sehr schwer definierbaren Vorortungen von Beheimatet-, Verankert- oder Zuhausesein, den Verlusten und dem, was bleibt.

    Gefällt mir

    1. Eigentlich muss ich Dir danken, liebe Puzzleblume. Es hat mir sehr gut getan es von der Seele zu schreiben und es war eine schöne Erkenntnis. Dieses Wissen darum, dass sich meine Vergangenheit quasi nur versteckt hat:-) danke fürs Lesen und hab einen schönen Wintertag

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s